Neuer Verkehrsführungsansatz für die Stadt Zug

Mit der Ablehnung des Stadttunnels Zug im Jahre 2015 wurde der Weg frei für neue Verkehrsmodelle für die Stadt Zug. Ein Ansatz will ich Ihnen mit diesem Artikel vorstellen.

Möglichst viele Gebiete der Innenstadt vom motorisierten Individualverkehr (MIV) zu befreien, so muss das übergeordnete Ziel lauten. Die dänische Hauptstadt  Kopenhagen, eine der Vorzeigestädte in Sachen Veloförderung, macht vor, wie eine entsprechende Verkehrsplanung auszusehen hat. Der Veloverkehr erhält gleich viel Platz wie der MIV und die öffentlichen Verkehrsmittel. Die direkte Linie gehört wenn immer möglich dem Velo, dessen unschlagbare Trümpfe im geringen Platzverbrauch und seiner Emissionsfreiheit liegen. Mehr als die Hälfte der Verkehrsleistung in Kopenhagen entfällt inzwischen aufs lautlose, effiziente Zweirad.

Zug: ideal für Einbahnverkehr

Zugs Innenstadt verfügt im Norden mit Industrie-/Poststrasse und Bahnhof-/Baarerstrasse über zwei leistungsfähige parallele Strassenachsen. Werden diese zwischen MIV und Veloverkehr aufgeteilt, muss Ersterer im Einbahnregime geführt werden, damit sämtliche Parkhäuser erreichbar bleiben. Die zweite Spur kann dann als sichere Veloroute im Gegenverkehr verwendet werden. In der Bahnhofstrasse könnte die Velospur in die Vorstadt verlegt und die damit frei gewordene Autospur für den Fussverkehr oder eine Bushaltestelle verwendet werden. Für den MIV stünde so in der Stadt zwar weniger Platz zur Verfügung, die Effizienz würde aber unter Umständen sogar verbessert, fallen durch eine konsequente Verkehrsführung doch sehr viele Konfliktpunkte weg.

Ganz konkret sähe das dann so aus: Die Hauptschlaufe der Einbahn führt von der Chamerstrasse über die Gartenstrasse in die Bahnhofstrasse Richtung Postplatz. Dadurch wird die Vorstadt vom MIV befreit. Dann geht’s über die Poststrasse in die Industriestrasse und weiter in die Gubelstrasse. Eine weitere Schlaufe wäre mit Industrie- und Baarerstrasse nördlich der Gubelstrasse möglich. Interessant ist hier vor allem der Postplatz, wo lediglich noch ein Konfliktpunkt übrig bleibt: die Einfahrt in Richtung Poststrasse von der Baarer- und der Bahnhofstrasse her. Mit einem einfachen «Reissverschluss» ist auch dies lösbar.

Gewichtige Vorteile für alle

Damit das System effizient bleibt, muss ein guter Verkehrsfluss gewährleistet sein – indem die Zufahrten mit Pförtnersystemen ausgestattet werden. Zudem sollten, wegen der störenden Parkiermanöver, die Aussenparkplätze verschwinden. Auch eine Temporeduktion würde den Verkehrsfluss und damit die Systemeffizienz erhöhen.

Daraus resultiert nebst dem Plus an MIV-freien Zonen:

  • mehr Platz für den Langsamverkehr
  • weniger Lärm dank besserem Verkehrsfluss
  • erhöhte Sicherheit dank weniger Konfliktpunkten
  • weniger MIV auch im Umland, da der Veloverkehr konsequent gefördert wird

Ein wichtiger Nebeneffekt ist, dass die grossen Einkaufszentren Metalli, Neustadt, Manor und Coop-City mit dem Bahnhof in einer grossen MIV-freien Zone liegen würden. Die grossen Menschenströme zwischen diesen Zentren beeinträchtigen heute den Verkehrsfluss stark. Diese Behinderungen wären mit dem neuen Regime Vergangenheit.

Viel billiger als ein Tunnel

Im Vergleich zu einer Umfahrung im Berg sind die Kosten und das Risiko von Kostenüberschreitungen sehr gering. Das Gleiche gilt für den Unterhalt und nötige Sanierungen. Dazu kommt, dass sich die Kapazität für den MIV nur geringfügig erhöht und damit das restliche Strassennetz kaum zusätzlich belastet wird. Umwegfahrten sind mit diesem System zwar auch nicht zu vermeiden, hätten aber ein viel geringeres Ausmass, als dies beim Grossprojekt der Fall gewesen wäre.

In den Verkehrsplanungsbüros ist man sich einig, dass der MIV in den Städten kein taugliches Zukunftsmodell ist, und sucht dementsprechend nach Alternativen. Ein Stadttunnelwäre insofern eher hinderlich gewesen: Er hätte den Handlungsspielraum stark eingeschränkt. Mit der intelligenteren Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sind keine zusätzlichen, mögliche Lösungen behindernden Bauten notwendig. Der Nachteil gegenüber dem Tunnelprojekt ist, dass man die Durchfahrt nicht autofrei gestalten kann – wobei dies auch nur teilweise vorgesehen war.

Die Idee «Durchfahrt Zug» wurde am «Filme für die Erde»- Festival im September 2016 an einem Stand präsentiert, zudem auch in politischen Kreisen. An der Fachhochschule Rapperswil wird 2017 eine Bachelorarbeit diese und andere Ideen einer Beurteilung unterziehen. Wir sind gespannt auf die Resultate, welche auf diesen Sommer zu erwarten sind.

Philipp Kissling, Februar 2017