Neue Luzerner Zeitung Online, 03.01.2012

Wie Zebrastreifen aussehen müssten

«Zebrastreifen: So verhindert man Unfälle», Ausgabe vom 24. Dezember

Der TCS und die Autolobby haben es geschafft, dass in der Diskussion um die Unfälle auf Fussgängerstreifen die Autofahrer völlig ausser Betracht fallen. So wird nur noch über die Sicherheit der Fussgängeranlagen und das Vortrittsrecht der Fussgänger diskutiert. Doch die in Leserbriefen vorgeschlagenen Massnahmen, etwa das Versetzen oder gar Aufheben von Fussgängeranlagen, sind inakzeptabel. Die Fussgänger werden vermehrt den kürzesten Weg über die Strasse wählen und so die Fussgängeranlagen meiden.
Die Forderung, die Vortrittsregel der Fussgänger aufzuheben, bringt auch nichts. Seitdem diese Regel eingeführt wurde, gab es keine Zunahme der Unfälle auf den Fussgängerstreifen. In Deutschland haben sogar die Velofahrer beim Queren von Strassen den Vortritt. Vortrittsmissachtungen werden dort durch die Polizei allerdings auch vermehrt kontrolliert und hart bestraft. Dadurch wird der Autofahrer zur erhöhten Aufmerksamkeit gezwungen. Dadurch gibt es viel weniger Unfälle auf Fussgängersteifen. Diverse Fussgängerstreifen müssten tatsächlich saniert werden, doch nicht überall ist es möglich, dies mit baulichen Massnahmen zu tun. Vielfach fehlt der Platz für eine Mittelinsel. Auch eine bessere Signalisation bringt nicht viel. Die Verkehrspsychologen sagen, dass der Autofahrer jetzt schon nicht alle Signale registriert, da es zu viele sind.

Der grosse Teil der Umfälle passiert durch Unachtsamkeit. Obwohl es verboten ist, telefonieren viele Leute am Steuer. Selten werden sie dafür belangt.
Die Erfolg versprechendsten Massnahmen sind Temporeduktionen und das Durchsetzen von Vorschriften, die den Autofahrer zwingen, seine volle Konzentration auf den Verkehr zu lenken.

Philipp Kissling, Geschäftsleiter VCS Sektion Zug, Oberwil